Wer steckt hinter Achiy?

Achiy

2019 wurde das nachhaltige Modeunternehmen Achiy gegründet. Hinter der Marke stehen Vivica und Lennard – zwei Geschwister, die aus der Motivation heraus die Lebensfreude und Spiritualität, die sie in Peru erlebt haben, mit nach Deutschland zu bringen, Achiy gegründet haben. Ein Gespräch über Natürlichkeit und der Ursprung der Mode.

Hallo Lennard. Was steckt eigentlich hinter dem Namen Achiy?

Achiy ist ein Wort aus dem Quechua, die Sprache der Einheimischen in Peru und bedeutet übersetzt Lebensfreude – die Grundidee unserer Marke. Meine Schwester und ich waren beide ein halbes Jahr in Peru für soziale Projekte und haben uns direkt in das Land und die Menschen verliebt. Wir wollten eine Möglichkeit finden, wie wir diese Lebensfreude und Spiritualität der Menschen nach Deutschland bringen und da war Mode der erste Schritt, wodurch auch Achiy entstanden ist.

Also kam die Ursprungsidee aus der Reise in Peru?

Ja. Tatsächlich waren wir inspiriert durch die bunten Kleidungen und die indigenen Muster, die wir auf den Märkten in Peru gefunden haben. Wir fanden die total klasse. Jedoch hat sich herausgestellt, dass die Pullover hauptsächlich aus Polyester und aus China kamen. Einer der ältesten und meist benutzen Stoffe in Peru war Alpaka-Wolle. Damals durften bei den Inkas nur die Könige Alpakas tragen. Die Alpakas selbst lebten in kleinen Gemeinden und wurden für alle möglichen Dienstleistungen genutzt, unter anderem auch für ihr Fell. Daher haben wir uns auch einen Produzenten in einer kleinen Gemeinde in Peru gesucht, der mit uns die Mode zurück zu ihrem Ursprung geführt hat – aus Alpaka-Wolle, natürlich eingefärbt und mit den Mustern, wie sie ursprünglich von den Peruanern getragen wurden.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Wir reden nicht gerne über Nachhaltigkeit. Wir reden lieber über Natürlichkeit. Wir versuchen Mode natürlich herzustellen, wie die Menschen es ursprünglich gemacht haben – mit natürlichen Wollen und Färbungsmethoden, ohne Chemikalien und mit Handstrickmaschinen. Wir produzieren in kleinen Gemeinden, wo die Inkas ursprünglich lebten. Wir nutzen das Garn und die Wolle der Alpakas, die ordentlich gehalten werden. Wir färben unsere Wolle nur mit Lebensmitteln wie Pflanzen und Früchten ein, denn es ist uns wichtig, dass man mit unserer Mode nur natürliche Stoffe auf seiner Haut trägt. 

„Natürlichkeit bedeutet für uns, dass wir Mode herstellen, wie sie früher gemacht wurde und dass wir Mode so produzieren, dass sie einen möglichst geringen Impact auf die Natur hat.“

Nachhaltige und natürliche Mode bedeutet auch immer Transparenz und Rückverfolgbarkeit. Wie garantiert ihr eine transparente Produktion?

Indem wir auf unserer Website versuchen, möglichst transparent zu kommunizieren wie möglich. Wir erzählen in Videos und Blogs, woher unsere Wolle herkommt, wer die Menschen hinter den Produktionsprozessen sind und wir arrangieren auch Events, wo man mit den Menschen in Peru live sprechen kann. Denn wir wollen das gesamte Leben der Peruaner vorstellen, wie sie in den Communitys leben, wie die Tiere leben, daher stellen wir uns auch gerne in den Hintergrund. 

Achiy

Sie arbeiten unter anderem mit dem Unternehmen Peruvian Traditions zusammen? Warum haben sie sich genau für die Zusammenarbeit mit ihnen entschieden?

Wir haben damals nach einem Partner gesucht, der für uns die Koordination im Land übernehmen kann, weil das Management von Produktion relativ schwierig ist, wenn man nicht vor Ort ist. Peruvian Traditions ist auch ein Geschwister-Unternehmen, die zu diesem Zeitpunkt ein eigenes kleines Modeunternehmen gegründet haben mit den gleichen Werten, die wir haben, daher hat das sehr gut zusammen gepasst.

Arbeiten sie dann auch eng mit den Partnern in Peru zusammen?

Uns ist eine enge Bindung mit den Partnern vor Ort sehr wichtig, weil für uns zur Partnerschaft auch ein gewisser Grad an Freundschaft dazu gehört. Daher sind wir auch jede Woche mit ihnen im Austausch und schauen, dass sie so nachhaltig wirtschaften wie möglich. Auch telefoniert meine Schwester für den Designprozess alle zwei Tage mit unseren Partnern in Lima, die unsere Produktion in Cusco navigieren.

„Wir haben eine sehr enge Bindung zu unseren Partnern. Wir gucken ihnen über Zoom sozusagen ins Wohnzimmer.“

Wie entstehen die Designs eurer Kollektion?

Wir lassen uns inspirieren von der Geschichte der Peruaner, hauptsächlich die Geschichte der Inkas. In der Historie der Inkas haben Tiere, Pflanzen und die Natur unterschiedliche Bedeutungen und diese spirituelle Bedeutung haben die Inka hauptsächlich auf ihrer Kleidung abgebildet. Diese traditionellen Muster und traditionellen Symbole nehmen wir als Inspiration und gestalten das Design noch etwas moderner. Außerdem verwenden wir immer einzelne Muster, die eine spirituelle Bedeutung haben wie dem Puma, der Kongo oder die Berge Perus. Mit unserem Design wollen wir die Geschichte erzählen, die hinter dem Muster steckt. Hierfür greifen wir auch auf historische Funde der Mode dieser Zeit und arbeiten daraus dann in Zusammenarbeit mit unseren Partnern in Peru ein einzigartiges Design. 

Achiy

Am 24.05. steht eure neue Kollektion an. Worauf können wir uns bei dieser neuen Kollektion freuen?

Wir benutzen für unsere neue Kollektion zu 80% Pima-Baumwolle und zu 20% Alpaka-Wolle. Einfach aus dem Grund, weil Pima-Baumwolle noch weicher und strapazierfähiger ist als Alpaka-Wolle. Sie wird auch als Seide Südamerikas bezeichnet, weil sie eine extrem hohe Qualität hat. Außerdem wollten wir etwas Neues ausprobieren. Wir hängen nicht an einem Stoff, wir hängen nicht an einem Land, wir hängen nicht an einer Produktionstechnik. Woran wir hängen, ist Spiritualität und Natürlichkeit. Und wir versuchen diese Spiritualität und die Lebensfreude der Leute zu transportieren. Das gibt uns die Möglichkeit, mit einem anderen Landesteil als Peru zusammenzuarbeiten.

Wie sieht das neue Design aus und welche neuen Strickkünste werden für die Kollektion angewendet?

Der Prozess der natürlichen Färbung in Peru teilweise verloren gegangen. Daher haben wir intensiv daran gearbeitet, die natürliche Färbung wieder aufzunehmen und daraus eine sehr große Farbpalette entwickelt – 100% natürlich aus Pflanzen, Früchten und Gemüse. Das Thema unserer neuen Kollektion ist die Chakana. Die Inka haben daran geglaubt, dass es eine Ober-, Unter- und eine Mittelwelt gibt. Die Menschen leben in der Mittelwelt und an gewissen Orten in Peru soll es möglich sein, zwischen einzelnen Welten umherzugehen. Also von den Anden zu der Ober- oder Unterwelt zu wechseln. Chakana, auch als Andenkreuz bekannt, steht für die Kreuzung zwischen den verschiedenen Welten und auch in unserer Kleidung wollen wir diese verschiedenen Welten durch drei Linien darstellen. 

„Wir sind gegen Fast-Fashion. Von unserer Mode brauchst du nicht hundert Stücke. Ein ordentlicher Pullover reicht.“

Die neue Kollektion von Achiy wird wieder limitiert sein, um der Fast-Fashion Industrie entgegenzuwirken. Außerdem wird durch den Verkauf eine faire Lohnstruktur für die Arbeitnehmer*innen in Peru geschaffen und an die kleine Gemeinde in Cosco gespendet, damit sie nachhaltig davon leben können.

 


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