Von Alt zu Neu: Upcycling

Upcycling

Wegwerfen war gestern. Mithilfe des Upcyclings können alte Textilien in ihrer Qualität und Beschaffenheit aufgewertet werden. Der Prozess der Wiederverwertung reduziert nicht nur den Bedarf an neu produzierten Rohmaterialien, er wirkt sich auch schonend auf unsere Ressourcen aus. Was Upcycling von Recycling unterscheidet und welche Vorteile die Wiederverwertung mit sich zieht, erklären wir dir im heutigen Blogbeitrag.

Upcycling vs. Recycling

Während der Ausgangsstoff beim Recycling oft an Wert verliert, werden nutzlose Abfallstoffe beim Upcycling in neuwertige Stoffe umgewandelt und gewinnen damit an Wert. Dies wird zum Beispiel deutlich, wenn beim Papier-Recycling Altpapier hergestellt wird: Das Endprodukt ist nicht mehr so glatt und weiß, wie es ursprünglich war. Es verliert also an Wert. Deswegen wird Recycling auch häufig als „Downcycling“ bezeichnet. Abgesehen davon versuchen beide Arten der Wiederverwertung gegen den täglich wachsenden Verpackungsmüll anzukämpfen und unser empfindliches Ökosystem zu schonen. Johanna Kempter ist Gründerin eines nachhaltigen Modelabels AKYA Berlin, welches sich zum Ziel gesetzt hat, durch Upcycling von alten Stoffen so wenig Müll zu produzieren wie möglich. Für sie bedeutet Upcycling, dass man Produkten, die eigentlich am Ende ihres Lebenszyklus angelangt sind, neues Leben einhaucht.

Vorteile des Upcyclings

Kreative Möglichkeiten

Da Upcycling immer eine Wertsteigerung bedeutet, sind die Möglichkeiten nur durch die Kreativität und Geschicklichkeit des Bastlers beschränkt. Zahlreiche eindrucksvolle und praktische Inspirationen liefert zum Beispiel das Modelabel AKYA Berlin. Die Marke betreibt Upcycling, indem sie die Stoffe von Arbeiter*innen beziehen, die von Tür zu Tür gehen und Kleidung gegen Haushaltswaren oder kleines Geld eintauschen. Besonders gerne verwenden sie die Stoffe der Saris, sogenannte traditionelle Trachten aus Südasien. Aus jedem gesammelten Stoff werden ein bis zwei neue Kleidungsstücke oder Accessoires entwickelt. „Wir versuchen immer alles zu benutzen. Aber auch wir stoßen manchmal an unsere Grenzen, weil alte Stoffe auch mal Löcher oder Flecken haben, die erst einmal geflickt und rausgeschnitten werden müssen.“, so Johanna Kempter. Trotzdem versucht das Label auch die übrigen Reste in kleine einzigartige Produkte zu verwandeln. Aus Baumwollresten werden Visitenkarten, aus Saris werden Haargummis und Schminktäschchen und zu jeder Jacke schenkt die Marke einen Beutel aus dem gleichfarbigen Muster dazu. „Wir dachten uns, wenn die Jacke mal kaputt geht, gibt es mit dem zusätzlichen Stoff die Möglichkeit, die Jacke zu reparieren.“, erklärt Johanna.

Sari

Schonung natürlicher Ressourcen

Für die Herstellung eines einzelnen T-Shirts werden mehr als 2.700 Liter Wasser benötigt. Mit der Technik des Upcyclings können natürliche Ressourcen geschont werden, da bei der Wiederverwertung Energie gespart wird, die bei der Herstellung von neuen Produkten benötigt werden. Außerdem müssen auch keine neuen Stoffe produziert werden, da Upcycling-Designer sich bei der Herstellung ausschließlich auf Gegenstände konzentrieren, die normalerweise auf Mülldeponien landen. „Ich habe seit der Gründung meines Labels über drei Jahre nur 2-3 Kisten Reststoffe gesammelt.“, erzählt Johanna. Dieser Mengenunterschied macht bereits einen großen Unterschied zu großen Modelabels, die am Ende ihrer Saison jährlich 1,5 bis 2 Millionen Tonnen Reststoffe verbrennen müssen.

Nachteile des Upcyclings

Der Kreislauf endet im Müll

Das Upcycling ist eine lebensverlängernde Maßnahme von Produkten und eine kreative und positive Art, mit den Müllproblemen der Gegenwart umzugehen. Sie kann jedoch nicht zu einer Unsterblichkeit von Produkten verhelfen. Es werden zwar weniger neue Deponien geschaffen, jedoch landen auch upgecycelte Produkte am Ende ihres Lebenszyklus auf den Müllberg der nicht-upgecycelten Gegenständen. Beim nachhaltigen Upcycling sollten daher keine unnötigen neuen Rohstoffe, sondern nur alte Stoffe oder Materialien, die zur Qualitätssteigerung beitragen, verwendet werden. „Wir arbeiten nur mit Verstärkungen wie Bügeleinheiten, um die Lebensdauer des Materials zu verlängern“, so Johanna. Damit eine Tasche zum Beispiel stehen kann, werden Bügeleinheiten eingebaut, damit zwischen dem dünnen Sari noch eine Schicht zur Befestigung vorhanden ist. Johanna trägt ihre erste selbst hergestellte Jacke nun schon seit 3 Jahren. Selbst nach vielen Waschgängen ist die Qualität gleichgeblieben. Johanna glaubt auch, dass die richtige Philosophie einen Unterschied macht: „Gerade in der Modebranche wird heutzutage viel Greenwashing betrieben. Viele Menschen sind auf den nachhaltigen Zug aufgestoßen, der Ihnen Profit verspricht. Doch die wirkliche Philosophie dahinter sollte sein, dass wir Menschen auch in 100 Jahren noch auf diesem Planeten leben können. Erst mit diesem Gedanken können wir ein Teil der weltweiten Müllberge reduzieren.“

Upcycling regt ebenfalls den Konsum an

Upcycling will Müll besser verwerten und dazu beitragen, dass weniger Abfall entsteht. Doch auch Upcycling-Produkte regen letztlich den Konsum an. Kaufen wir den Schmuck aus Plastikflaschen mit dem Gedanken, etwas Gutes zu tun – obwohl wir diese Dinge gar nicht bräuchten? Johanna Kempter findet: „Nachhaltigkeit ist nur möglich, wenn wir unseren Konsum zurückschrauben und auch als nachhaltige Modemarke Abstriche ziehen, anstatt den schnellen Konsum voranzubringen.“ AKYA Berlin verkauft aus diesem Grund nur limitierte Einzelstücke und möchte mit diesem Gedanken den Menschen den Wert der Kleidung näher bringen. „Wenn man weiß, dass keiner auf der Straße dieselbe Jacke trägt und das eigene Herzensstück keine Massenware ist, dann behandelt man es auch ganz anders“, so Johanna.  Am nachhaltigsten ist es daher, alte Kleidung ins Second Hand zu geben, einen Kleidertausch zu organisieren oder sie anders wiederzuverwenden. Wenn Kleidung so im Kreislauf bleibt, werden die meisten Ressourcen eingespart und letztlich weniger neue Jeans, Shirts und Jacken produziert. Doch wenn die Hose voller Löcher und das T-Shirt aufgeraut ist, dann bietet sich Upcycling als gute Alternative an. Denn Stoffe aufzuwerten ist immer die nachhaltigere Alternative als sie abzuwerten.

Im Hinblick auf die Vor- und Nachteile von Upcycling lässt sich zusammenfassen: Upcycling ist ein Gegenmittel zur Massenmode und den flüchtigen Trends. Sie verlängert die Lebensdauer unserer Kleidung und bringt uns den Wert eines Kleidungsstückes näher. Und in jedem Fall garantiert sie einzigartig zu sein.

 


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