Veganes Leder: 5 nachhaltige Alternativen

Veganes Leder: 5 nachhaltige Alternativen

Weit verbreitet ist die Annahme, dass Leder lediglich ein Abfallprodukt der Fleischindustrie sei. Doch die Realität sieht anders aus: Die Ledergewinnung macht die Schlachtung von Tieren noch profitabler und ist damit das wirtschaftlich wichtigste Nebenprodukt der Fleischindustrie. Mittlerweile ist niemand mehr auf Leder angewiesen. Es existieren viele nachhaltige, tierfreundliche, pflegeleichte und robuste Alternativen aus Naturmaterialien, die die positiven Eigenschaften von echtem Leder ersetzen und teilweise sogar übertreffen. Im heutigen Blogbeitrag möchten wir dir einen Überblick über die aktuellen Lederalternativen geben und deren Vorteile aufzeigen.

Was du über Leder wissen solltest

Für Leder werden jährlich mehr als eine Milliarde Tiere geschaltet. Um Produktionskosten zu sparen, kaufen immer mehr Lederwarenhersteller vor gegerbtes Rohleder in Billiglohnländern, wo keine greifenden Tierschutzgesetze gelten. Das macht die Lieferkette für den Verbraucher schwer nachvollziehbar, denn für Leder gibt es keine Kennzeichnungspflicht und die Ursprungsbezeichnung „Made in“ gibt lediglich Auskunft darüber, in welchem Land die Bestandteile zum Endprodukt zusammengefügt werden - es sagt nichts über die Herkunft der verwendeten Materialien aus. Zudem ist Leder auch extrem umwelt- und gesundheitsschädlich. Um die Häute der Tiere besonders lang haltbar zu machen, müssen sie mit toxischen Chemikalien behandelt werden, die auf menschlicher Haut sogar Ausschläge verursachen können. 

Wie umweltfreundlich und nachhaltig ist veganes Leder?

Nicht jedes vegane Ersatzprodukt ist gleich nachhaltig und nicht jedes nachhaltige Produkt vegan. Dieser Umstand zeigt sich besonders in Leder: Grundsätzlich kann man unter veganem Leder jedes Imitat verstehen, dass nicht tierischen Ursprungs ist. Kunstleder wird meist aus Textiligeweben mit einer Beschichtung aus Kunststoffen wie PVC, Polyurethan oder Polyester hergestellt. Diese Verbindungen bilden in der Müllverbrennung gesundheitsschädliche Dioxine und belasten die Umwelt sowohl bei der Herstellung als auch bei der Entsorgung. Dennoch kennzeichnen manche Unternehmen ihre Kleidung aus Kunstleder mit „vegan“ - in der Hoffnung, einen umweltfreundlicheren Eindruck zu machen. Falsch ist eine solche Kennzeichnung nicht, jedoch lassen sich die wirklich nachhaltigen Alternativen dadurch nur noch schwerer erkennen.

Nachhaltig und vegan: Diese 5-Lederalternativen solltest du kennenlernen

Es gibt viele vegane und nachhaltige Materialien, die in ihrer Qualität und Langlebigkeit konventionelles Leder gut ersetzen können und ohne Tierquälerei und Umweltverschmutzung auskommen.

1. Kaktusleder

Kaktusleder wird aus dem Nopal- bzw. Feigen-Kaktus hergestellt und ist in Mexiko zahlreich vertreten. Im Gegensatz zu Kunstleder erweist sich das Kakteenleder als atmungsaktiver Lederersatz, der darüber hinaus auch besonders nachhaltig ist. Denn der Nopal-Kaktus, braucht zum Wachsen nur sehr wenig Wasser, wodurch wichtige Ressourcen geschont bleiben. Außerdem ist die Pflanze sehr robust, deshalb kann bei der Anpflanzung auf die Verwendung von Pestiziden und giftigen Chemikalien verzichtet werden. Aufgrund seiner guten Eigenschaften ist Kaktusleder jedoch nicht unbedingt billig. So wird es bei einigen Produzenten auch im Luxussegment verwendet. Ein weiterer Nachteil wird ersichtlich, vergleicht man den Herstellungsprozess des Kakteenleders beispielsweise mit jenem des Apfel- oder Ananansleders: Bei Letzteren wird auf Überreste, die aus der Weiterverarbeitung der Ernte des Obstes hervorgehen, zurückgegriffen, während die für die Herstellung des Kaktusleders verwendeten Kakteenblätter keine Abfallprodukte sind. 

Kaktusleder

2. Apfelleder

Apfelleder wird aus Überresten hergestellt - genauer gesagt aus Trester, der bei der Apfelsaftherstellung anfällt und ist damit ressourcenschonender als konventionelles Leder. Dieser wird getrocknet und zu einem feinen Pulver zermahlen, Schicht für Schicht auf einen Canvas aufgetragen und anschließend geprägt, damit der Lederlook entsteht. Das sogenannte „Appleskin“ ist wie der Apfel selbst wasserabweisend und kann jede optische Lederart annehmen.

Apfelleder

3. Ananasleder

Ananasleder ist ein reißfestes, atmungsaktives und weiches veganes Leder, das aus den Fasern von Ananspalmenblättern hergestellt wird. Ein anfallendes Abfallprodukt der schon existierenden Landwirtschaft, welches normalerweise nach der Ernte weggeworfen oder verbrannt wird. Beim Ananasleder, auch Piñatex genannt, handelt es sich also um ein absolut nachhaltiges Produkt, das dem Cradle-to-Cradle Prinzip entspricht. Der Verkauf der Ananasblätter bietet den lokalen Bauern außerdem eine wichtige Einnahmequelle. 

Ananasleder

4. Korkleder

Kork ist ein nachwachsender Rohstoff und stammt von der Korkeiche. Was viele nicht wissen: Regelmäßig geschälte Korkeichen binden bis zu viermal mehr Kohlenstoffdioxid als Korkeichen, die nie in ihrem Leben geschält werden. Damit ist das Naturprodukt nicht nur ökologisch, sondern auch nachhaltig. Außerdem ist der Kork formbeständig, elastisch und verfügt über eine warme, weiche Haptik. Durch seine Reißfestigkeit und Stabilität ist die Lederalternative am meisten vergleichbar mit konventionellem Leder. 

Kork

5. Pilzleder

Pilzleder wird aus Myzel, dem sogenannten Wurzelgeflecht der Pilze hergestellt. Für die Herstellung werden kleine Stücke von der Pilzwurzel mit Maisresten, Sägespänen oder Hanffasern durchzogen; das macht das vegane Leder strapazierfähig und biologisch abbaubar. Der hohe Anteil an Luft verleiht dem Material seine Leichtigkeit und hat gleichzeitig einen isolierenden Effekt. Auch wenn sich das Pilzleder dadurch von der Optik und Eigenschaften anfühlt wie herkömmliches Rindsleder, einen Haken hat der Ersatzstoff derzeit: Noch immer ist es nicht einfach, eine homogene Masse mit gleichbleibender Dicke, Farbe und mechanischen Eigenschaften wachsen zu lassen. 

Pilzleder

Aus Tierschutzsicht ist veganes Leder definitiv eine echte Alternative, jedoch ist es nicht immer umweltfreundlicher. Viele Hersteller produzieren synthetische Kunstleder und entsprechend schwanken diese - nicht nur in der Qualität, sondern auch unter Nachhaltigkeitsaspekten. Daher ist es wichtig, beim Kauf auf synethetische Lederarten aus recycelten Kunststoffen zu wählen, die nicht nur tierfrei, sondern auch umweltverträglich und ressourcenschonend sind.