Mindestlohn vs. Existenzlohn: Was ist ein Lohn zum Leben?

Mindestlohn vs. Existenzlohn: Was ist ein Lohn zum Leben?

Bis heute sind anständige Arbeitsbedingungen und Gehälter keine Selbstverständlichkeit. Viele Menschen arbeiten unter schwierigen Bedingungen und erhalten einen Lohn, der nicht zum Leben reicht. Das betrifft vor allem Beschäftigte in der Textilindustrie, die mit ihrer Gesundheit zahlen müssen. Warum Mindestlöhne durch Existenzlöhne ersetzt werden sollten, erklären wir dir heute.

Der Mindestlohn: minimum wage

Der Mindestlohn ist ein rechtlich festgesetztes Minimum an Gehalt, das ein Arbeitnehmer erhalten muss. Bei uns in Deutschland wird für das Jahr 2021 flächendeckend für alle Arbeitnehmer ein Mindestgehalt von 9,50 € vorgesehen. In vielen anderen Ländern liegt der Mindestlohn jedoch unter der von der Weltbank definierten Armutsgrenze von etwa 1,58 € am Tag.  Der Mindestlohn stellt also statt einer Lohnuntergrenze häufig die Obergrenze dar. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter müssen sogar Überstunden ableisten, um auf die Höhe des Mindestlohns zu kommen. Der Mindestlohn ist also kein Garant für faire Löhne und ebenso nicht für ein menschenwürdiges Leben.

Der Existenzlohn: living wage

Was der Mindestlohn nicht gewährleistet, soll der Existenzlohn absichern. Er bezeichnet ein Einkommen, das notwendig ist, damit eine Familie davon angemessen leben kann. Die wichtigste Nichtregierungsorganisation, die sich für die Rechte der Arbeitnehmer*innen in der Textilindustrie einsetzt, ist die Clean Clothes Campaign (CCC). Folgt man ihrer Definition, muss das Geld in einer regulären 48-Stunden-Woche ausreichen, um den Arbeitnehmern*innen eine angemessene Ernährung, Unterkunft, Bekleidung sowie Mobilität zu ermöglichen. Dazu zählen auch Bildung, medizinische Versorgung sowie ein kleines Budget für unerwartete Notfälle.

Wie lässt sich der Existenzlohn berechnen?

Die konkrete Gehaltshöhe, die es für ein würdiges Leben braucht, ist allerdings relativ und unterscheidet sich von Land zu Land. Eine Methode zur Berechnung des asiatischen Existenzlohns ist der sogenannte Asia Floor Wage (AFW). Die Kalkulation geht von der Annahme aus, dass der Haushalt aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern besteht. Der Lohn muss so hoch sein, dass 50 Prozent des Einkommens zur Lebensmittelversorgung ausreicht. Weitere 40 Prozent dienen zur Deckung von Fixkosten wie Wohnung, Transport, Kleidung, Bildung, aber auch für Arztbesuche und Medikamente. Die verbliebenen 10 Prozent stehen für Freizeitaktivitäten, Unvorhergesehenes und der Altersvorsorge zur Verfügung.

Faire Löhne in der Textilbranche

Der Existenzlohn klingt in der Theorie richtig und logisch, in der preissensiblen Textilbranche ist er leider ein sehr komplexes Problem. Viele Modehersteller wollen aufgrund der niedrigen Verkaufspreise ihre Produktionskosten ebenfalls so gering wie möglich halten. Dafür lassen sie ihre Ware in besonders armen Ländern mit einer sehr niedrigen Lohnstruktur herstellen. Die Preisverhandlung zwischen Zulieferer und Modekonzernen finden nicht auf Augenhöhe statt: Bei jedem Versuch, den Mindestlohn in Richtung existenzsicheren Lohn anzuheben, besteht die Gefahr einer Abwanderung des Konzerns in andere Länder mit noch niedrigeren Löhnen.

Wirklich faire Löhne sind ein komplexes Thema. Eine weltweite Lohnsteigerung in der Textilbranche kann nur durch den Einsatz aller Beteiligten gelingen. Daher stellen wir bei Waara sicher, dass alle Marken und Modehändler auf unserer Plattform faire Löhne garantieren und ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.