Kinderarbeit in Indien – Hintergrund und Folgen

Kinderarbeit in Indien – Hintergrund und Folgen

Indien, Bangladesch und die Philippinen sind die Länder mit dem höchsten Anteil an Kinderarbeit an der heimischen Produktion. Vor allem in Indien ist die Kinderarbeit bis heute noch sehr stark verbreitet. In Indien schuften viele Kinder für Hungerlöhne in Textilfabriken, helfen bei der Verarbeitung von Fußbällen und Teppichen oder verrichten teils Schwerstarbeit in Ziegeleien und Mienen. Durch die Arbeit können viele Kinder ihre Chance auf Bildung nicht wahrnehmen. Im heutigen Blogbeitrag klären wir dich über die Lage in Indien auf und welche Hilfe dort benötigt wird.

Welche Formen der Kinderarbeit gibt es?

Im September 2017 wurde von der International Labour Organisation eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass rund 71 Prozent der Kinderarbeit in der Landwirtschaft verrichtet wird. Ein Großteil der Kinder arbeiten also auf Baumwollplantagen oder Reisfeldern. Rund 17 Prozent werden wiederum als Servicekräfte eingesetzt. Weitere zwölf Prozent der Kinderarbeit verteilen sich auf Jobs in der Industrie – inklusive gefährliche Tätigkeiten in Minen.

Formen der Kinderarbeit

Was sind die Ursachen für Kinderarbeit in Indien?

Trotz des Wirtschaftsbooms in Indien müssen laut Weltbank rund 300 Millionen Menschen in Indien mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Denn die technischen Innovationen haben keine Arbeitsplätze in den Armutsgebieten geschaffen. Besonders gefährdet sind Kinder in den ländlichen Gebieten Indiens: Hier haben die Kinder kaum eine Möglichkeit auf Bildung. Daher sehen die Familien häufig keine andere Möglichkeit, als ihre Kinder aus den Schulen zu nehmen und arbeiten zu lassen. Auf der Arbeit müssen sie täglich lange Schichten von bis zu zwölf Stunden übernehmen. Sie haben kaum Pausen oder freie Tage.

Zudem ist Kinderarbeit in der indischen Gesellschaft auch traditionell verankert. Die Sicherung des Familienunterhalts hat Vorrang gegenüber Bildung. Somit ist es auch erlaubt, dass Minderjährige im Betrieb der Eltern mitarbeiten. Aus Not werden auch viele Kinder von ihren Eltern an Kinderhändler verkauft. Nicht selten geraten sie dadurch in die Fänge von Kinderhändlern, die wiederum die jungen Kinder für einen sehr geringen oder gar keinen Lohn arbeiten lassen. Ein Teufelskreis.

Kinderarbeit

Wie kann man die Kinderarbeit in Indien stoppen?

Um Kinderarbeit in Indien langfristig zu stoppen, muss sich viel ändern. Besonders auf der rechtlichen Ebene: Das indische Recht schränkt zwar die Beschäftigung Minderjähriger unter 14 Jahren ein, trotzdem hat das Gesetz viele Schlupflöcher. So bleibt der Familienbetrieb weiterhin ungeahndet. Zudem gilt das Gesetz nicht für 15- bis 17-Jährige, denen lediglich die Verrichtung gefährlicher Arbeiten verboten ist. Die Gesetze gegen Kinderarbeit müssen sich in Indien also weiter verschärfen und vor allem aber strikt geahndet werden. Darüber hinaus gilt es, die Armut in Indien nachhaltig zu bekämpfen. Ein Hauptziel muss dabei sein, Kinder zur Schule zu schicken. Denn je weniger Bildung ein Kind hat, desto schlechter sind seine Zukunftsperspektiven. Und desto schwieriger wird es, als Erwachsener einen Job zu finden.

Viele Hilfsorganisationen wie die SOS-Kinderdörfer setzen sich für Bildung und Selbsthilfe für Familien in Indien ein. Sie zeigen den Eltern zum Beispiel in Kursen berufliche Fertigkeiten, um sich eine eigene Existenz aufzubauen. Damit soll die Familie nicht mehr darauf angewiesen sein, die Kinder arbeiten zu lassen. Auch die Kinder werden durch Spenden für Schulmaterialien und Schuluniformen unterstützt. Mit gezielter Bildung, Beratung und Aufklärung wollen die SOS-Kinderdörfer die Kinderarbeit in Indien stoppen.

SOS Kinderdörfer

Neben der Unterstützung von Hilfsorganisationen kannst auch du selbst aktiv werden. Achte zum Beispiel beim Einkauf darauf, Produkte zu wählen, die fair produziert wurden. Diese Produkte sind meist mit bekannten Siegeln gekennzeichnet zum Beispiel das Fairtrade-Siegel oder das XertifiX-Siegel.